Archiv für den Monat: Juni 2014

Miniwindräder als Stromerzeuger der Zukunft

Die US-Wissenschaftler Smitha Rao und J.-C. Chiao haben an der Universität Arlington in Texas/USA ein Miniwindrad entwickelt, welches in Zukunft ermöglichen soll, Mobiltelefone durch einfaches Schwenken in der Luft aufzuladen.

Die Miniwindrädchen der amerikanischen Wissenschaftler sind an ihrer breitesten Stelle nur 1,8 Millimeter breit und so winzig, dass auf ein Reiskorn zehn dieser kleinen Kraftwerke passen. Auf einer speziellen Handyhülle könnten Hunderte der kleinen Rädchen die Akkus von Mobiltelefonen ganz ohne Stromzufuhr einfach und kostengünstig aufladen. Dazu muss das Handy nur für ein paar Minuten durch die Luft geschwenkt werden oder an windigen Tagen am offenen Fenster platziert werden. Die Einzelteile der Mikrorädchen werden aus einem Halbleiter-Rohling herausgeätzt und sind mit einer Nickellegierung überzogen.  Vor allem diese einfache und günstige Herstellung der Windrädchen spricht für sich und lässt die Wissenschaftler an noch weitaus mehr Einsatzmöglichkeiten denken. So ist es denkbar, in Zukunft auch Häuserfassaden mit den winzigen Windparks auszustatten und so Energie für Beleuchtung, Alarmanlagen und vieles mehr zu gewinnen.

Die Erfinder Rao und Chiao sind von dem unglaublichen Potential der kleinen Windrädchen überzeugt und die Universität Arlington hat bereits ein Patent auf die Mini-Rädchen angemeldet. Doch trotz der vielversprechenden Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten gibt es noch einige ungeklärte Fragen. So steht noch nicht fest, wie der erzeugte Strom letztendlich an den Akku weitergeleitet werden kann. Auch wie eine mögliche schnelle Verschmutzung der Mini-Rädchen verhindert werden kann, ist noch nicht endgültig gelöst. Trotzdem konnten die Wissenschaftler bereits ein Mikroelektronik-Unternehmen aus Taiwan für ihre Erfindung begeistern.

Mine Kafon – simple Technik zur Beseitigung von Landminen

Jährlich sterben viele tausend Menschen durch explodierende Landminen. Der Afghane Massoud Hassani hat mit dem Mine Kafon ein einfaches Gerät erfunden, das gefährliche Landminen beseitigt.

 

Massoud Hassani kam vor zwanzig Jahren als Flüchtling mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nach Holland und studierte dort an der Design Academy Eindhoven. Der Vater kam in Kabul bei einem Raketenangriff ums Leben. Der Erfinder kennt also aus seiner Kindheit das gefährliche Leben in minenverseuchten Kriegsgebieten und hat mit seinem Mine Kafon, einem durch Windkraft angetriebenen Landminen-Räumer ein einfaches, an Spielzeug erinnerndes Gerät erfunden, welches die todbringende Gefahr in mineninfizierten Gebieten unschädlich machen könnte.

 

Der Mine Kafon erinnert in seiner Form an eine Pusteblume. Das Gerät hat einen Durchmesser von zwei Metern und wiegt etwa 80 Kilogramm. Hergestellt wird es aus Bambus, Kunststoff, Metall und Gummi. Die Einzelteile des Minen-Räumers lassen sich einfach direkt vor Ort zusammenbauen. Der Einsatz des Geräts ist sicher und ungefährlich, denn es wird vom Wind gesteuert und nicht von Menschenhand. Der Prototyp wurde bereits in der Wüste von Marokko getestet. Dabei verlor die Riesenpusteblume bei jeder Minenexplosion etwa 25 der insgesamt 175 Beine. Jeder Mine Kafon könnte daher fünf bis sechs Minen räumen. Der Erfinder gibt die Produktionskosten mit etwa 40 Euro pro Stück an, würde der Mine Kafon in die Massenproduktion gehen.

Dennoch sind die Experten bislang skeptisch, ob der Mine Kafon in Zukunft Minensuchhunde oder menschliche Minenräumer ersetzen könnte, denn die Ergebnisse der Prototypen sind bislang noch zu ungewiss. So blieben die Geräte bei schweren Explosionen bisher oftmals stecken. Doch der Erfinder Massoud Hassani ist dennoch zuversichtlich, dass sich das System auf Dauer bewähren wird. Zusammen mit seinem Bruder arbeitet er weiter daran bessere Ergebnisse zu erzielen.

Luftentfeuchter mal anders – ganz anders

Eher in die Kategorie der kuriosen Erfindungen gehört wohl der Luftbefeuchter für Kamele. Oumar Ayoumbaye aus dem Tschad stellte diese Erfindung im April 2014 auf der internationalen Erfindermesse in Genf vor und ist davon überzeugt, dass die Welt auf seine Erfindung gewartet hat – zumindest mehr oder weniger.

Oumar Ayoumbaye ist die einzige Person aus dem Tschad, die fünf Patente angemeldet hat. Nun hat der Erfinder aus Leidenschaft seine neueste und in seinen Augen vielversprechendste, Erfindung auf der internationalen Erfindermesse in Genf vorgestellt – den tragbaren Luftbefeuchter für Kamele. Ob die Welt tatsächlich auf diese Erfindung gewartet hat, bleibt abzuwarten. Doch fest steht, die Kamele sind durch den Einsatz dieses Geräts in der Lage 17 Tage lang ohne Wasser auszukommen.

Der Luftbefeuchter wird am Höcker der Kamele befestigt und benetzt diese mit Wasser. Laut des Erfinders Oumar Ayoumbaye kommen die Tiere länger ohne Wasser aus, wenn die Höcker kühl gehalten werden. Bis zu 17 Tage sollen die Kamele mithilfe der neuen Erfindung ohne Wasser auskommen. Ayoumbaye sieht daher in seiner Erfindung eine große Hilfe für Nomaden und auch Touristen, die mit Kamelen in der Wüste unterwegs sind. Der Luftbefeuchter soll auch bei Elefanten funktionieren. Wie lange diese jedoch dank Luftbefeuchter ohne Wasser auskommen, ist nicht bekannt. Betrieben wird das Gerät durch Sonnenenergie und Windkraft. Daher betonte Oumar Ayoumbaye bei seiner Präsentation des Geräts auf der Genfer Erfindermesse vor allem auch den umweltfreundlichen Betrieb seines tragbaren Luftbefeuchters für Kamele.

Bedaquilin – ein neues Medikament gegen multiresistente Tuberkulose

Tuberkulose ist weltweit verbreitet und fordert jährlich mehr als zwei Millionen Menschenleben – die meisten davon in den Entwicklungsländern. Mit rund 8,6 Millionen Neuerkrankungen jährlich befindet sich die gefährliche Tuberkulose weiterhin auf dem Vormarsch und das nicht zuletzt, weil die Krankheitserreger zunehmend resistenter gegen die vorhandenen Medikamente werden. Der belgische Forscher Koen Andries hat mit seinem Team ein völlig neuartiges und hochwirksames Medikament gegen Tuberkulose erfunden, welches vor allem bei der Bekämpfung multiresistenter Tuberkuloseerreger einen bahnbrechenden Erfolg verspricht.

Die von Koen Andries erfundene chemische Verbindung „R207910“ ist seit mehr als 40 Jahren das erste wirklich neue Tuberkulosemedikament. Die chemische Verbindung wird auch Bedaquilin genannt und wirkt auf völlig neuartige Weise. Während alle konventionellen Tuberkulosemedikamente bislang die Reproduktion des Tuberkuloseerregers verlangsamen und die Infektion so im Laufe der Zeit stoppen, hemmt Bedaquilin das mykrobakterielle Wachstum der Erreger und wirkt zudem auch bei multiresistenten Tuberkulosebakterien. Das neue Bedaquilin lähmt die Energiezufuhr der Krankheitserreger und führt so zum Absterben der gefährlichen Bakterien. Diese Funktionsweise führt dazu, dass Bedaquilin weitaus schneller wirkt, als die bisher bekannten Tuberkulosemedikamente und sorgt damit neben der Wirkung gegen multiresistente Tuberkulose für einen weiteren Vorteil bei der Behandlung. Die Wirkungsweise der konventionellen Mittel erfordert eine langfristige Behandlung, sodass bisher viele Patienten die Behandlung viel zu früh beenden. Das  neue und schnell wirksame Bedaquilin verkürzt die herkömmliche Behandlungsdauer hingegen um mehr als 40 Tage und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten in Zukunft die notwendige Behandlung auch tatsächlich beenden.

Das Arzneimittel wird in Zukunft durch das Unternehmen Janssen Pharmaceutica (Johnson & Johnson) unter dem Namen Sirturo auf den Markt kommen und wird von den Wissenschaftlern als zweimal so wirksam wie alle bisherigen Behandlungsmethoden eingeschätzt.

Kontaktlinse für Diabetiker

Für Diabetiker gibt es die neue Hoffnung, dass das lästige Blutzuckermessen durch einen Stich in den Finger bald der Vergangenheit angehört. Schon in zwei bis drei Jahren könnte eine neue elektronische Kontaktlinse auf den Markt kommen, die den Blutzuckerspiegel mithilfe eines Funktionschips misst. Das Forschungslabor von Google X hat, unter der Federführung Babak Parviz, der bereits die Google Datenbrille entwickelt hat, einen Prototyp der neuen Linse entwickelt. Aber auch am Fraunhofer-Institut in Duisburg laufen die Forschungen auf Hochtouren.

Diabetes ist eine wahre Volkskrankheit. Allein in Deutschland leiden über 6 Millionen Menschen daran. Diabetiker müssen nicht nur ihre Lebens- und Essgewohnheiten auf die Erkrankung einstellen, auch das regelmäßige Messen und Kontrollieren des Blutzuckerspiegels gehört dazu. Bisher werden Blutzuckerwerte anhand eines Tropfen Blutes aus dem Finger bestimmt. Das könnte schon in zwei bis drei Jahren der Vergangenheit angehören. Sowohl das Forschungslabor von Google X, als auch die Forscher am Frauenhofer-Institut in Duisburg arbeiten an einer neuen Methode zur Bestimmung des Blutzuckerwertes. Während Google X bereits einen Prototyp einer elektronischen Kontaktlinse entwickelt hat, haben die Forscher des Fraunhofer-Instituts einen winzigen Biosensor entwickelt, der die Blutzuckerwerte nicht nur in Tränenflüssigkeit, sondern auch in Schweiß messen soll.

Derzeit liefern sich die deutschen Forscher und die Forschungsabteilung von Google X einen wahren Wettstreit, bei dem abzuwarten bleibt, welches der Geräte zuerst auf den Markt kommen wird. Während sich Google noch erfahrene Partner zur Vermarktung suchen muss, haben sich die Forscher aus Deutschland bereits mit dem niederländischen Unternehmen Noviosense zusammengetan und hoffen, in spätestens drei Jahren ihr fertiges Produkt auf den Markt zu bringen.

Für umweltbewusste Hundebesitzer – Paulee CleanTec Ash Poopie

Aus Israel kommt eine geniale neue Erfindung für umweltbewusste Hundebesitzer – der Paulee CleanTec Ash Poopie. Das ist ein stockähnliches Gerät, mit dem Hundehaufen schnell und einfach zu Asche verbrannt werden.

 

Das Mitführen und Entsorgen von Häufchentüten und das lästige Bücken und Aufsammeln der Hinterlassenschaften des eigenen Hundes könnten in Zukunft für umweltbewusste und rücksichtsvolle Hundebesitzer zur Vergangenheit gehören, denn der Paulee CleanTec Ash Poopie verwandelt Hundehaufen im Handumdrehen zu Asche. Auch Fußgänger könnten sich über saubere Gehwege freuen, wenn der Ash Poopie in Zukunft tatsächlich zur Grundausstattung verantwortungsbewusster Hundebesitzer gehören sollte. Das Gerät erinnert an einen Stock und lässt sich beim Gassigehen einfach an einer handlichen Trageschlaufe mitführen. Am Ende des Paulee CleanTec Ash Poopie befindet sich ein Greifarm, mit dem der Hundehaufen umschlossen und in das Innere des Geräts befördert wird. Dort wird der Hundehaufen pulverisiert und anschließend sterilisiert.

Die Erfindung aus Israel ist zurzeit noch nicht auf dem Markt erhältlich und wird bislang nur als Konzept vorgestellt. Doch das Gerät könnte durchaus das Potential haben, zum Verkaufsschlager unter Hundefreunden zu werden, ersetzt es doch das Mitführen lästiger Häufchentüten und vor allem das unangenehme Entsorgen der Hundehinterlassenschaften. Entwickelt wurde der „Häufchenstaubsauger“ von dem israelischen Unternehmen Paulee CleanTec, welches sich darauf spezialisiert hat, innovative Ideen zur Beseitigung von Hundehaufen zu entwickeln. Der Ash Poopie soll laut Unternehmen besonders umweltfreundlich sein, weil so keine Plastiktüten zur Entsorgung mehr benötigt werden. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie hoch der Anschaffungspreis für das Gerät tatsächlich sein wird, denn das wird entscheidend dafür sein, ob sich das Gerät durchsetzen wird.

Smogfressender Zementputz – Revolution in der Bauindustrie?

Der italienische Chemiker Luigi Cassar hat einen ganz neuartigen Zementputz erfunden, der dazu in der Lage ist, bis zu 80 Prozent der Luftschadstoffe in unschädliche Bestandteile umzuwandeln. Der smogfressende Beton könnte eine Revolution in der Bauindustrie auslösen und dürfte für den einen oder anderen Stadtvater besonders interessant werden.

 

Der Chemiker Luigi Cassar hat im Auftrag des italienischen Zementherstellers Italcementi eine ganz neue Zementmischung entwickelt, die nicht nur über eine selbstreinigende, sondern auch eine luftsäubernde Wirkung verfügt. Der Zementputz verringert damit die Verschmutzung von Fassaden und anderen großen Flächen und vermindert dauerhaft die negativen Auswirkungen der Luftverschmutzung. Das von dem Italiener erfundene Zementgemisch kann Putz, Mörtel, Farben und auch Straßenbelägen zugesetzt werden und könnte durch seine vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten eine wahre Revolution in der Bauindustrie auslösen.

 

Die Erfindung basiert auf einem mit Titanoxid- Mineralien angereichertem Zementgemisch. Durch die Sonneneinstrahlung oxidieren die Titanoxid-Mineralien und spalten Schadstoffe auf, bevor diese an der Oberfläche Verfärbungen verursachen. Ein Überzug von Flächen jeder Art mit diesem selbstreinigenden Zementgemisch führt dazu, dass die Menge von gesundheitsschädlichen und tief liegenden Smog verursachenden Stickstoffverbindungen bis zu 80 Prozent reduziert wird. Zudem vermindert der smogfressende Zement weitere schädliche Substanzen wie Kohlenmonoxid, Blei und Schwefeldioxid.

Luigi Cassar und sein Team vom italienischen Unternehmen Italcementi S.p.A. gehören mit ihrer bahnbrechenden Erfindung zu den Finalisten des Europäischen Erfinderpreises 2014. Verliehen wird der Preis am 17. Juni 2014 in Berlin und wird ausschließlich an Erfinder vergeben, deren Erfindungen das Zeug dazu haben, die Welt in Zukunft positiv zu verändern.