Frankfurts ganzer Stolz ist Erfindung aus Mainz

Vor 60 Jahren erfand Professor Paul Smets für zehn Innenstadtkirchen Frankfurts die Glockensymphonie.

Auch die Paulskirche gehört zum Frankfurter Stadtgeläute (Foto: Dieter Schütz  / pixelio.de)

Auch die Paulskirche gehört zum Frankfurter Stadtgeläute (Foto: Dieter Schütz / pixelio.de)

Oft schauen die Menschen aus der Mainmetropole etwas auf die Mainzer herab, vor allen Dingen momentan beim Fußball. Doch eine Erfindung, über die die Frankfurter schon seit Jahrzehnten in hellen Tönen schwärmen, kommt aus Mainz: nämlich das große Frankfurter Stadtgeläute.

Der Mainzer Glocken- und Orgel-Papst Professor Paul Smets hat es vor 60 Jahren konzipiert, viermal im Jahr wird Mainhattan für 30 min eine unverwechselbar schöne Stimme verliehen, dies war auch wieder an Heiligabend der Fall. Die Berechnungen, Zeichnungen und Pläne des Stadtgeläuts werden vom Sohn des Professors, Walter Smets, wie ein Schatz gehütet.

Er kennt sich mit der Geschichte dieses Frankfurter Unikats natürlich genau aus. „Das erste Gesamtgeläute aller Glocken der Stadt gab es vor über 650 Jahren, bei allen großen Anlässen war das seitdem auch immer wieder der Fall, beispielsweise bei der Kaiserwahl“, erklärt Smets.

Seit 1856 erleben die Frankfurter diese herrlichen Klänge auch viermal im Jahr vor dem ersten Advent, zu Pfingsten, zu Ostern und eben an Heiligabend. Dieses Geläut – auch wenn es schon sehr mächtig gewesen ist – war bis zum zweiten Weltkrieg kein musikalischer Ohrenschmaus, da die 50 Glocken aus den zehn Frankfurter Gotteshäusern musikalisch nicht aufeinander abgestimmt worden waren.

1954 erhielt der Mainzer Professor Smets dann den Auftrag des Magistrats, im Rahmen des Wiederaufbaus neun zerstörter Kirchen für deren neue Geläute eine Symphonie zu konzipieren. Smets machte den Vorschlag, die Geläute so miteinander korrespondieren zu lassen, dass es wie eine Glockensymphonie klingt. Das neunstimmige Geläute des Domes (es umfasst zwei Oktaven) war dabei tonangebend und nach dem Konzept von Paul Smets wurden die Glocken der anderen beteiligten Kirchen darauf abgestimmt.

Schritt für Schritt wurden danach die Glocken neu gegossen, zwischen 1954 und 1964 die meisten. Deshalb konnte vier Jahre nach dem zu frühen Tod von Smets vor 50 Jahren an Heiligabend 1964, das Stadtgeläute fast vollständig erklingen. Doch erst mit den neuen Glocken der Paulskirche wurde das Konzept des Professors 1997 komplett vollendet. Nach dem Krieg hatte die Paulskirche eine neue Konstruktion bekommen, die musikalisch misslungen war. Das Karmeliterkloster kam 1995 ebenfalls noch hinzu.

Doch nicht nur in Frankfurt wird die Arbeit von Smets bewundert. Sein Sohn verrät, dass es seinem Vater ebenfalls zu verdanken sei, dass es nach dem Krieg in Mainz in den Kirchtürmen keine Stahlglocken mehr gegeben habe. Die Paulskirche schließlich hätte solch eine 1848 bekommen. 1946 lieferte ferner der staatlich geprüfte Sachverständige für Glockenwesen und Orgelbau ein Gutachten für die Mainzer Domorgel, die durch Nachkriegszeit und Krieg schlimm in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Smets starb 1960 an einem Krebsleiden, konnte ergo seine Symphonie selbst in Vollendung nicht mehr erleben. Er hätte helle Freude daran zu sehen, wenn vor allem am Heiligenabend viele Tausende Menschen in die Innenstadt strömen, um den wunderbaren Klang des großen Stadtgeläutes zu genießen. Tausende Menschen versammeln sich vor allem auf dem Eisernen Steg, dem Paulsplatz und dem Römer, wenn das Stadtgeläute erklingt.

Trotzdem soll man alle beteiligten Glocken von keinem Platz aus zur gleichen Zeit hören können. Das Erlebnis lässt sich nur durch einen Spaziergang komplett genießen, dabei nimmt man zu allen Gotteshäusern, die sich auf einem Gebiet von 0,75 × 1,1 km verteilen, eine Position ein, von der aus man alle Einzelgeläute hören kann. Man muss fast die ganze Zeit in Bewegung bleiben, da das Geläute nur für 30 min zu hören ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.